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08.12.2019 21:38:00


eGovernment-Monitor 2017: Schweizer nicht gar so unzufrieden

Der eGovernment-Monitor 2017 der deutschen Initiative D21 und der deutschen fortiss-Forschungsgruppe brachte für Deutschland enttäuschende Ergebnisse. Die Nutzerzahlen der eGovernment-Angebote und die Zufriedenheit mit den Angeboten nahmen ab. Auch in den Nachbarländern Österreich und Schweiz, die der Monitor mit untersucht, sind einige Indikatoren rückläufig. Die Detailfragen zeigen aber, dass die Schweizer/-innen mit den eGovernment-Angeboten insgesamt nicht gar so unzufrieden sind.

„Die digitalen Angebote des Staates hinken hinter den sich weiterentwickelnden Nutzererwartungen her“, bilanziert der Präsident der Initiative D21 in seinem Vorwort zum eGovernment-Monitor 2017. Die Initiative 21 hat den eGovernment-Monitor 2010 in Zusammenarbeit mit dem ipima-Institut lanciert. Heute ist die Forschungsgruppe fortiss Mitherausgeberin. Der eGovernment-Monitor untersucht die eGovernment-Entwicklung in den Ländern Deutschland, Österreich und Schweiz. E-Government Schweiz unterstützt die Studie als Partnerin.

Rückschritt statt Fortschritt


Die Herausgeber wollen die Dinge nicht schönreden: „Nicht nur die Nutzung sinkt, auch die Zufriedenheit lässt in diesem Jahr merklich nach. Seit Erhebung der Studie sehen wir keine Verbesserung im Langzeittrend“, stellt der D21-Präsident nüchtern fest. Das Ziel des eGovernments, den Umgang mit Behörden schneller, effizienter, bequemer, transparenter und kostengünstiger zu gestalten, sei vermutlich auch in Deutschland unbestritten, meint Hannes Schwaderer. Doch die Umsetzung will offensichtlich nicht so recht gelingen.

Haben Sie in den letzten Jahren eGovernment-Angebote genutzt? Diese Frage beantworteten 2017 in Deutschland 41 Prozent der Befragten mit Ja. 2012 waren es 45 Prozent. In Österreich antworteten 2017 rund drei Viertel der Befragten mit Ja, in der Schweiz waren es 61 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr war diese Zahl auch in der Schweiz rückläufig.

Wie zufrieden sind Sie mit dem eGovernment-Angebot Ihrer Stadt oder Gemeinde? Diese Frage wurde 2017 in allen drei Ländern seltener positiv beantwortet als im Vorjahr. In Deutschland äusserten 2017 nur noch gut die Hälfte (54%) der Befragten sich sehr oder einigermassen zufrieden, in Österreich waren es 64 Prozent, in der Schweiz 69 Prozent.

Differenzierte Aussagen


So negativ der erste Eindruck ausfallen mag, so zeigen sich doch im Detail durchaus bemerkenswerte und nicht nur negative Ergebnisse. So fanden in der Schweiz 71 Prozent der Befragten die Online-Angebote ihrer Gemeinde/Stadt bequem, 67 Prozent empfanden sie als einfach bedienbar und ebenfalls 67 Prozent als zuverlässig.

Die vorgelegten Ideen zur Förderung der eGovernment-Nutzung wurden sehr differenziert beurteilt. Am meisten Zuspruch fand in der Schweiz die Idee, als Anreiz für die vermehrte Nutzung von eGovernment-Angeboten eine tiefere Gebühr zu erheben als für die Bedienung am Schalter. 60 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer fanden diese Idee gut. In den anderen Ländern waren es etwas weniger.

Datenweitergabe umstritten


Die Datenschutzbedenken haben insgesamt zugenommen. Datenschutz-Massnahmen sollten aktiv kommuniziert werden, empfehlen deshalb die Autor(inn)en.

Vom so genannten „Once-only-Prinzip“, das zurzeit auf europäischer Ebene propagiert wird, sind längst nicht alle Befragten überzeugt. Dieses Prinzip sieht vor, dass einmal gemeldete Daten an alle (potenziell) betroffenen Stellen automatisch weitergegeben werden. Dass innerhalb des Landes Behörden die einmal erhobenen Daten an andere Behörden weitergeben, empfinden in der Schweiz rund 42 Prozent der Befragten als Kennzeichen einer modernen Behörde. Dass Daten zwischen europäischen Behörden weitergegeben werden, wird nur von 14 Prozent der schweizerischen und der deutschen Befragten befürwortet. Eine Datenweitergabe an nicht-staatliche Institutionen empfinden in der Schweiz und in Deutschland gar nur von 11 Prozent der Befragten als positiv.

Szenarien als Befragungsgrundlage


Die Beurteilungen der Datenweitergabe stammen aus Befragungen zu Beispiel-Szenarien für häufige Lebensituationen. Dabei wurden die Befragten dazu aufgefordert, sich die Situation und die konkreten Datenflüsse im Detail vorzustellen. Als Beispiele wurden Umzüge und Elternschaft (Geburt und Kinderbetreuung) gewählt. In der Schweiz hatten fast die Hälfte der Befragten bei ihrem letzten Umzug – der in den meisten Fällen viel mehr als 12 Monate zurückliegen dürfte – mindestens einen Teil der notwendigen Behördengänge online erledigt. 79 Prozent dieser Personen waren dabei mit dem Angebot zufrieden.

Bei der Frage nach der Zufriedenheit mit dem Online-Angebot für Meldungen bei Geburt eines Kindes zeigte sich ein weiterer wichtiger Aspekt: Am zufriedensten waren hier nämlich die Österreicher, bei denen Neugeborene automatisch am Wohnsitz der Eltern angemeldet werden und auch das Kindergeld automatisch, ohne Antrag, ausbezahlt wird. Online-Meldungsmöglichkeiten sind also nicht in jedem Fall die beste Lösung. Noch besser ist es, wenn gar keine Meldung nötig ist. Die automatische Meldung einer Institution (z.B. Spital, Geburtshaus) an die Behörden scheint auch keine Datenschutzbedenken hervorzurufen.


Weitere Informationen:
D21 und fortiss: eGovernment-Monitor 2017 , Hintergrund-Informationen und Studien-Download
Informatiksteuerungsorgan des Bundes ISB: Hohe Zufriedenheit mit den E-Government-Dienstleistungen in der Schweiz, Medienmitteilung vom 27. Oktober 2017

Datum der Neuigkeit 30. Okt. 2017

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