19.09.2019 05:05:10



Mehr als ein Drittel der Einwohnerinnen und Einwohner hat im Webauftritt der Stadt Uster bereits ein Benutzerkonto eröffnet. Wie fördert die Stadt das eGovernment? Wo legt sie Schwerpunkte? Die eGovernment-Verantwortliche und der Webmaster nehmen Stellung.

Die Sicht der eGovernment-Verantwortlichen

Die Sicht des Webmasters

Das Web- und eGov-Team in Uster: Hansjörg Baumberger (Stadtschreiber),  Rahel Würmli (eGov-Verantwortliche) und Andreas Varga (Webmaster)
Rahel Würmli, eGovernment-Verantwortliche, Stadt Uster: «Die Abteilungen prüfen kritisch, ob neue eGovernment-Angebote ihnen eine Entlastung bringen.»



i-web: Die Stadt Uster hat mit Ihnen eine eigene eGovernment-Verantwortliche. Wie kam es dazu?
Rahel Würmli: Uster hat sich Ende der 2000er-Jahre dazu entschieden, einen Budgetbetrag für die Entwicklung des eGovernments bereitzustellen. Ich war damals Webmasterin und übernahm diese neue Aufgabe. Bald wurden die Funktionen Webmaster und eGovernment aber getrennt, und das eGovernment wurde aus der Öffentlichkeitsarbeit in die Steuerung und Führung verschoben. eGovernment hat ja zwar vordergründig mit Webseiten und Öffentlichkeitsarbeit zu tun. In Wirklichkeit geht es aber weit darüber hinaus.

i-web: Wie meinen Sie das?
Rahel Würmli: Im eGovernment geht es auch um die internen Abläufe in der Verwaltung und zwischen Verwaltungsinstanzen. Auch hier soll ein medienbruchfreier Datenaustausch möglich werden. Natürlich möchten wir gute Dienstleistungen für die Bevölkerung und für die Wirtschaft anbieten. Aber wir möchten noch einen Schritt weitergehen und auch die internen Applikationen und Infrastrukturen einbeziehen.

i-web: Können Sie ein Beispiel dafür nennen?
Rahel Würmli: Ein gutes Beispiel dafür ist unser ExtraNet für den Gemeinderat. Unser Parlamentsdienst hat bis vor Kurzem die Sitzungs- und Geschäftsunterlagen manuell im ExtraNet des Gemeinderats publiziert, damit die Gemeinderatsmitglieder darauf zugreifen können. Neu werden diese Inhalte über eine Schnittstelle direkt aus unserer internen Geschäftsverwaltungs-Applikation ins ExtraNet übernommen.

Hier geht es nicht um eine bessere Dienstleistung für die Bevölkerung. Doch auch hier handelt es sich um das eGovernment. eGovernment umfasst also verschiedene Ebenen: Die Bevölkerung und die Wirtschaft als Zielgruppen der Verwaltung, aber auch die Verwaltung selbst.

i-web: Woher kommen in Uster die Anstösse für das eGovernment? Worin besteht dabei Ihre Rolle als eGovernment-Verantwortliche?
Rahel Würmli: Der Anstoss für die Schnittstelle zwischen der Geschäftsverwaltung und dem ExtraNet kam vom Parlamentsdienst selber. Die Eigeninitiative der Abteilungen ist erwünscht. Ich denke zum Beispiel auch an das Geschäftsfeld Sport, das selbstständig die Raumreservations-Applikation der i-web eingeführt hat. Ein anderes Beispiel ist der eUmzug, den der Kanton umgesetzt hat und den wir nun ohne grösseren eigenen Aufwand integrieren können.

i-web: Wie stehen die unterschiedlichen Abteilungen in Uster zum eGovemment?
Rahel Würmli: Die Abteilungen sind offen für das Thema. Sie möchten zeitgemässe Dienstleistungen anbieten. Sie prüfen aber auch kritisch, ob neue eGovernment-Angebote ihnen eine Entlastung bringen oder ob der Aufwand sogar zunimmt. Meist sind die neuen Angebote ja auch mit zusätzlichen Kosten verbunden.

i-web: Wie war das bei der Geschäftsverwaltungs-Schnittstelle ins ExtraNet. Hat sie eine Entlastung gebracht?
Rahel Würmli: Bei der Einführung solcher Lösungen entsteht natürlich zunächst ein zusätzlicher Aufwand. Danach bringen sie aber einen grossen Nutzen. Für die Publikation von Unterlagen im ExtraNet braucht es heute nur noch einen Mausklick in der Geschäftsverwaltungs-Applikation.

i-web: Worin besteht ihre Aufgabe als eGovernment-Verantwortliche und Organisationsentwicklerin bei der Umsetzung von eGovernment-Projekten?
Rahel Würmli: Als Organisationsentwicklerin muss ich sicherstellen, dass die Lösungen flächendeckend genutzt und dass die erforderlichen internen Prozessanpassungen vorgenommen werden. Bei der Geschäftsverwaltung zum Beispiel geht es darum, dass in sämtlichen Bereichen einheitlich mit der Applikation gearbeitet wird und dass sämtliche Geschäftsübergaben innerhalb und zwischen den beiden Räten standardisiert erfolgen.

i-web: In der Stadt Uster ist ja schon lange ein Online-Schalter in Betrieb. Wie sind die Erfahrungen mit dieser Applikation?
Rahel Würmli: Der Online-Schalter wird intensiv genutzt. Die Einwohnerdienste zum Beispiel bieten viele Dienstleistungen via Online-Schalter an. Eine Besonderheit dieser Online-Dienste besteht darin, dass die Benutzerinnen und Benutzer sich dafür zwingend im Benutzerkonto anmelden müssen.

i-web: Warum?
Rahel Würmli: Weil so der gesamte Informationsaustausch mit den Einwohnerinnen und Einwohnern über das Benutzerkonto der Einwohner und die Online-Schalter-Pendenzenverwaltung abgewickelt werden kann. Dadurch werden Datenschutz und Datensicherheit gewährleistet, und die interne Verarbeitung wird einfacher.

i-web: Ist dieses obligatorische Login zumutbar?
Rahel Würmli: Man braucht ja heute überall ein separates Login, für jeden Ticketkauf und jeden Online-Shop. Persönlich denke ich, dass es hier irgendwann eine Vereinfachung braucht. Glücklicherweise bieten all diese Benutzerkonten eine Funktion zur automatischen Passwortzustellung an.

Auf der Website der Stadt kann ich immerhin das einmal eröffnete Konto auch für weitere Geschäfte nutzen, beispielsweise für das Gesuch um Fristerstreckung für die Steuererklärung.

i-web: In der Stadt Uster hat ja bereits mehr als ein Drittel der Bevölkerung ein Benutzerkonto. Das ist rekordverdächtig. Was wissen Sie sonst über die Zufriedenheit der Bevölkerung mit dem eGovernment?
Rahel Würmli: Direkte Rückmeldungen von der Bevölkerung haben wir nicht. Wir werden diese Frage aber in die nächste Einwohner-Zufriedenheitsumfrage integrieren. Aus dem Parlament erhalten wir immer wieder Anfragen und Eingaben zum Internet- und eGovernment-Angebot. Das zeigt, dass ein Interesse an diesem Angebot besteht.

Wir weisen in der Antwort auf solche parlamentarische Anfragen jeweils darauf hin, dass auch verwaltungsinterne Prozessvereinfachungen zum eGovernment gehören, zum Beispiel bei den Einbürgerungen. Insgesamt darf sich aber auch unser eGovernment-Angebot für die Bevölkerung sicher sehen lassen.

Nun erhält der Webauftritt noch ein neues Design. Dann ist er auch grafisch wieder auf dem neusten Stand. Darauf freue ich mich sehr.

i-web: Nutzen Sie den Webauftritt auch selber hie und da?
Rahel Würmli: Ich halte mich hier über die Aktualitäten auf dem Laufenden. Zudem beziehe ich einige Dokumente auf dem Webauftritt, weil ich weiss, dass sie hier auf dem neusten Stand sind.



Die Website als Visitenkarte


Von der Stadtpolizei bis zur Spitex, vom Hallenbad bis zur Flüchtlingskoordination, unter us-ter.ch sind sie alle vereint. Das muss so sein, findet der Webmaster Andreas Varga.

i-web: Uster ist ja eine grosse Stadt und bietet auf dem Webauftritt sehr breite Informationen. Wie stellt man sicher, dass sich alle Abteilungen durch den Webauftritt gut repräsentiert fühlen?
Andreas Varga: Das ist tatsächlich nicht einfach. Jede Abteilung sieht ja richtigerweise sich selber und ihre eigene Zielgruppe besonders im Vordergrund und wünscht, im Webauftritt prominent vertreten zu sein. Nun hat aber eine Verwaltung in der Grösse der Stadt Uster sehr viele Abteilungen, und nicht alle können zuvorderst stehen. Deshalb müssen wir eine gute Benutzerführung anbieten, die alle Besucher schnell zum gewünschten Inhalt führt. Über die Suche, über die Navigation und über die Bildsprache.

i-web: Ist es denn nötig, alle Abteilungen auf dieser einen Plattform zusammenzuführen. Könnten nicht einzelne Abteilungen halt ihren eigenen Webauftritt betreiben?
Andreas Varga: Auf keinen Fall. Die Website ist die Visitenkarte einer Stadt. Hier stellt sie sich innert weniger Sekunden der ganzen Welt vor. Die Besuchenden müssen ein Bild von der Stadt Uster als Ganzes erhalten. Deshalb ist es sehr wichtig, dass der gesamte Auftritt aus einem einzigen Guss erscheint.

i-web: Wie unterscheidet sich der Webauftritt der Stadt Uster aus Ihrer Sicht von anderen Webauftritten? Gibt es Dinge, die Ihnen besonders gut gefallen?
Andreas Varga: Eine besondere Stärke ist für mich der Fokus auf die Aktualität: die neuesten Medienmitteilungen, das Stadthaustelegramm mit den Neuigkeiten aus dem Stadtrat, die amtlichen Mitteilungen aus den verschiedensten Abteilungen und die Auszüge aus den Verhandlungen des Gemeinderats, die auch auf der Frontseite erscheinen. Diese Aktualitäts-Rubriken werden seit vielen Jahren zuverlässig gepflegt. Sie informieren Interessierte direkt, ohne Umweg über die Medien. Der Webauftritt dient so als direktes, eigenes Kommunikationsorgan zwischen den Gremien der Stadt und der Öffentlichkeit.